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FREI

Justine und Juliette 02

von Sade, D. A. F. Marquis de   (Autor)

Erste vollständige deutsche Übersetzung von Sades 10-bändigem Doppelroman Justine und Juliette In Justine und Juliette treibt Sade seine atheistisch-materialistische Philosophie auf die Spitze und vervollkommnet sein Weltverständnis, das auf kosmologischer Ebene die ewige Bewegung der Materie, auf der politischen die permanente Revolution der Gesellschaft und in individuell-moralischer Hinsicht die treibende Kraft der menschlichen Triebe zum Zentrum hat; alles in allem ein beinahe unentwirrbares Gespinst von Ratio und Eros, dem der Leser auch heute noch mehr oder minder ratlos gegenübersteht; eine Umwertung aller Werte, die nicht bei der Gesellschaft, sondern beim Individuum ansetzt.

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Produktbeschreibung

Erste vollständige deutsche Übersetzung von Sades 10-bändigem Doppelroman Justine und Juliette In Justine und Juliette treibt Sade seine atheistisch-materialistische Philosophie auf die Spitze und vervollkommnet sein Weltverständnis, das auf kosmologischer Ebene die ewige Bewegung der Materie, auf der politischen die permanente Revolution der Gesellschaft und in individuell-moralischer Hinsicht die treibende Kraft der menschlichen Triebe zum Zentrum hat; alles in allem ein beinahe unentwirrbares Gespinst von Ratio und Eros, dem der Leser auch heute noch mehr oder minder ratlos gegenübersteht; eine Umwertung aller Werte, die nicht bei der Gesellschaft, sondern beim Individuum ansetzt. 

Zusammenfassung


Sade hat mitten in der Spätblüte nationalistischer Aufklärung
dem Irrationalen, Triebhaften, dem »Anderen« der Vernunft
extensivste denkerische Aufmerksamkeit gewidmet.

(Ursula Pia Jauch)


In der Gestalt der Justine tritt das Opfer selbst als Heldin auf,
als eine Art Jeanne d'Arc, die aus unendlichen Vergewaltigungen
immer aufs neue als Jungfrau aufersteht, und die ganz offensichtlich
Lust am Leiden hat. Die Souveränität der Justine besteht
in einer permanenten Selbstopferung als der reinen Gestalt der
Selbstverschwendung, während die Souveränität ihrer
Schwester Juliette auf Macht und Selbsterhaltung beruht und damit
entgegen Blanchots Deutung letztlich eine Fehlform ist. Die beiden
Gestalten sind spiegelbildlich zueinander konzipiert und ergänzen
sich; dennoch hat der Bildungsroman der Juliette fast immer größere
Beachtung gefunden, weil er die Geschichte einer libertinen Frau
ist, etwas äußerst Seltenes, im Zeitalter der Frauenemanzipation
streng Verpöntes obendrein. Die Opferpassion der Justine
hat dagegen den Vorzug, daß sich der Leser rein mit seiner
Heldin identifizieren kann, denn er kann die Geschichte fast als
christliche Heiligenlegende lesen. Justine ist kein gewöhnliches
Opfer, das rein passiv ist und allenfalls noch eine Klage ausstoßen
darf, bevor es der Peinigung oder dem Tod überliefert wird.


Der Anschein, daß sie immer nur prostituiert würde,
permanent befleckt, aber unbefleckbar, bleibt an der Oberfläche.
Justine läßt sich prostituieren, sie ist inmitten ihres
Opfercharakters aktiv, sie wirkt an ihrem Unglück mit, das
sie als Prüfung auffaßt, und sie muß schließlich
sogar gestehen, daß die Vergewaltigung ihr Lust bereitet.
Für die Libertins ist sie die ideale Beute, weil sie widerstrebt,
aber sie will auch diese Beute sein, weil sie aus ihren Leiden
Freuden bezieht. Und so können wir schließlich sagen,
daß Justine weder prostituiert wird noch sich prostituieren
läßt, sondern daß sie die Unschuld ist, die sich
selbst prostituiert.

(Gerd Bergfleth)


»Der früher oft wegen seines ermüdenden Stils gescholtene
Marquis Wird plötzlich als Schriftsteller ernstgenommen.
Man ist auf seine Imitationen anderer Autoren aufmerksam geworden,
hat seine Manierismen studiert, verdeckte und bewußt verbogene
Zitate entschlüsselt. Die Sache, so heißt es auf einmal,
verfüge bereits über einen großen Teil des schriftstellerischen
Repertoires, der die Prosa der Moderne kennzeichnet. Freilich
ist dies, vor allem in den Übersetzungen, bislang nicht kenntlich
gemacht worden. In der zehnbändigen Ausgabe bei Matthes
& Seitz soll das nachgeholt werden. Die beiden jungen schweizer
Übersetzer Stefan Zweifel und Michael Pfister haben sich
mehrere Jahre lang auf diese Aufgabe vorbereitet.

In diesem Jubiläumsjahr zeigt sich, daß der gelästerte
Marquis doch unser Zeitgenosse ist - ob wir das begrüßen
oder nicht.«

(Süddeutsche Zeitung)


»Ein Textkorpus, das auch wissenschaftliche Maßstäbe
befriedigen dürfte.«

(Neue Zürcher Zeitung)

 

Leseprobe


Jedwedes andere Geschöpf denn die bängliche Justine
hätte sich um derlei Drohworte einen Deut geschert: was hatte
sie denn zu befürchten, wo sie doch den Nachweis zu erbringen
vermochte, daß die just erlittene Brandmarkung keineswegs
von einem Gerichtshof über sie verhängt worden war?
Doch ihre Ohnmacht , ihre angeborene Furchtsamkeit, die Bürde
ihres Mißgeschicks, all dies versetzte sie in Bestürzung,
in wehe Angst; sie sann einzig auf Flucht.


Unbeschadet des schmählichen Mahnmals... etwelcher Striegelstriemen,
welche, dank der Reinheit ihres Blutes, mählich verblassen
würden ... etwelcher von durchschnittlichen Gliedern gerittener,
sodomitischer Angriffe, welche sie freilich nicht im geringsten
aus der Form gebracht; unbeschadet all dieser Umstände, betonen
wir, hatte unsere Heldin nichts von ihrer Kraft und Frische eingebüßt,
als sie im Alter von achtzehn Jahren Rodins Haus den Rücken
kehrte, in dem sie ansonsten gut gepflegt und gehegt worden; sie
trat in jenes segensreiche Alter, wo die Natur eine letzte Mühewaltung
zu unternehmen scheint, um die Schönheit jener Frauen zu
vollenden, die ihre Hand den Lüsten der Männer zuspielt.


Ihre Hüften rundeten sich, ihr Haar wuchs dichter und ward
länger, ihre Haut blühte in verlockender Frische auf;
ihr Busen aber war von Leuten, die es herzlich wenig nach diesem
Körperteil gelüstete, weitgehend verschont geblieben
und schwoll immer praller und voller heran. Ein wunderhübsches
Mädchen also, diese Justine, ein Wesen, das wohl dazu angetan
war, bei Wüstlingen die wildesten... wunderlichsten...
wollüstigsten Wünsche zu wecken.


So begab sich Justine, eher erschüttert und bloßgestellt
denn körperlich zerrüttet, noch selbigen Abends auf
Wanderschaft: doch mißgelenkten Schrittes und ohne sich
nach dem rechten Wege zu erkundigen, irrte sie lediglich im Kreise
um Paris herum,...

 

Autoreninfo

de Sade, Donatien Alphonse Fran‡ois
Donatien Alphonse Fran‡ois de Sade, 1740 in Paris geboren, schrieb pornografische wie philosophische Romane, die heute zweifelsohne zur Weltliteratur zählen. Zur Zeit der Französischen Revolution war er in der Bastille inhaftiert, wo er eines seiner bekanntesten Werke, Die 120 Tage von Sodom, schrieb. Aufgrund seiner sexuellen Ausschweifungen wurde er als geisteskrank eingestuft und befand sich bis zu seinem Tod 1814 im Irrenhaus Charenton-le-Pont.Jerofejew, Viktor
Viktor Jerofejew, 1947 in Moskau geboren, wurde weltweit bekannt durch seinen 1989 erschienenen und in 27 Sprachen übersetzten Roman Die Moskauer Schönheit. 1979 wurde er wegen seiner Beteiligung an der Literaturanthologie Metropol mit von der Zensur verbotenen Texten vom Schriftstellerverband der UdSSR ausgeschlossen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab er diesen von ihm als ¯Röntgenapparat, der die ganze Gesellschaft durchleuchtete® bezeichneten Almanach in einer Reihe neu heraus. Zudem ist er Herausgeber der ersten russischen Nabokov-Ausgabe. Er schreibt regelmäßig für die New York Times Book Review, DIE ZEIT, die FAZ und DIE WELT und gilt als kritischer Intellektueller wie auch als einer der bekanntesten russischen Gegenwartsautoren. Er lebt in Moskau.Zweifel, Stefan
Stefan Zweifel, geboren 1967 in Zürich, studierte Philosophie und Ägyptologie. Er arbeitet als Übersetzer (Blaise Cendrars, Jean-Jacques Rousseau, Raymond Roussel), Moderator (Schweizer Literaturclub bis 2014) und Kurator (zu Dada, Surrealismus und Situationismus). Bis 2004 war als Herausgeber der dreisprachigen Kulturzeitschrift Gazetta tätig. Er schreibt regelmäßig Beiträge für die Neue Zürcher Zeitung und verschiedene Literaturzeitschriften.Pfister, Michael
Michael Pfister, 1967 in Zürich geboren, arbeitet als Übersetzer, Moderator, Universitätsdozent und Gymnasiallehrer. 

Mehr vom Verlag:

Matthes & Seitz Verlag

Mehr aus der Reihe:

Justine und Juliette

Mehr vom Autor:

Sade, D. A. F. Marquis de

Produktdetails

Medium: Buch
Format: Gebunden
Seiten: 316
Sprache: Deutsch
Erschienen: Januar 1991
Maße: 230 x 141 mm
Gewicht: 523 g
ISBN-10: 3882217723
ISBN-13: 9783882217728

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KNOABBVERMERK: 1991. 316 S. m. 12 zeitgenöss. Illustr. 225 mm
KNOMITARBEITER: Mitarbeit: Delon, Michel; Jerofejew, Viktor; Übersetzung: Zweifel, Stefan; Pfister, Michael; Illustration: Kügler, Martina
KNOTEILBAND: Bd.2
Einband: Gebunden
Sprache: Deutsch

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