Produktbeschreibung
In der vermeintlichen Idyllik einer deutschen Provinz in den Jahren vor 1933 sucht Gustl Amricht, Kleinstädter, Zigarrenladeninhaber und Schwimmphänomen, die Nähe von Frieda Geier, erobert und heiratet sie. Aber an der Selbständigkeit Friedas prallen »die natürlichen Machtmittel des Mannes« ab, sie läuft ihm davon, und der Enttäuschte stürzt sich mit großem Entschluß auf die wichtige Aufgabe: er wird wieder der erstklassige Krauler, der aus seinem mannhaften Körper das letzte für seinen Verein herausholt.
Zusammenfassung
Ihren einzigen Roman, 1931 unter dem Titel Mehlreisende Frieda
Geier erschienen, hat Marieluise Fleißer 1972. neu bearbeitet
und ihm den Titel-Eine Zierde für den Verein gegeben.
In der vermeintlichen Idyllik einer deutschen Provinz in den Jahren
vor 1933 sucht Gustl Amricht, Kleinstädter, Zigarrenladeninhaber
und Schwimmphänomen, die Nähe von Frieda Geier, erobert
und heiratet sie. Aber an der Selbständigkeit Friedas prallen
»die natürlichen Machtmittel des Mannes« ab, sie
läuft ihm davon, und der Enttäuschte stürzt sich
mit großem Entschluß auf die wichtige Aufgabe: er
wird wieder der erstklassige Krauler, der aus seinem mannhaften
Körper das letzte für seinen Verein herausholt.
Die Texte von Marieluise Fleißer »sind aus Volkssprache
süddeutscher Prägung geformt, hart und derb, eigenwillig
brüchig in der Syntax, volkstheatralisch monologisch ohne
aufdringliche Wirkungsabsicht«. (Die Tat)
Leseprobe
Dies ist der vierte Tag, seitdem Gustl Gillich, Tabakwarengillich,
seinen eigenen Laden am Bitteren Stein aufgemacht hat.
Vergangen sind die drei bangen Tage, in denen keiner, der nicht
wirklich mußte, über seine jungfräuliche Schwelle
trat. Gustl Gillich steht hinter dem Ladentisch in seinem Sonntagsanzug
mit weichen Knien. Hat er sich überschätzt? Ist die
Lage nicht gut? Hat er sich beim Vertrag hereinlegen lassen?
Fünfzehn Schritte von ihm entfernt tobt der Verkehr. Das
kann doch nicht wie abgeschnitten sein.
Sie kennen sein Gesicht, jawohl. Sie kennen ihn als den langjährigen
Fachmann in der Tabakwarenbranche. Es ist nicht der erste Laden,
den er aufgezogen hat in der Stadt. Er hatte schon einmal Glück
in der Donaustraße, eine Goldgrube schien es zu werden.
Den Laden dort nahmen ihm seine Eltern ab, als der Laden lief,
und er mußte es dulden als der Sohn, der das Geld von ihnen
hatte. Er würde den Laden doch einmal bekommen.
Aber jetzt war er zum Mann erwacht und wollte nicht mehr darauf
warten, bis sie gestorben waren.
Und sie waren keine Unmenschen, sie drückten ihm einen Schwung
Geld und die Ware in die Hand, damit er sich ein zweites Mal selbständig
machte.
Man darf nicht verlangen, daß die Leute nach drei Tagen
einen neuen Laden mit Gewalt auskaufen wollen. Aber sie sollen
ihn auch nicht schneiden. Vielleicht ist gar keine böse Absicht
dabei. Was läßt sich von der entmilitarisierten Stadt
mit nur neunundzwanzigtausend Einwohnern und zehn Prozent Arbeitslosen
anders erwarten?
Dann sind es die Arbeitslosen, die Gustl Gillichs, des Schwimmphänomens,
Knie so weich machen?
Nicht nur diese. Die Menschen sind ja Steine. ...
Autoreninfo
Marieluise Fleißer
geboren am 23. November 1901 in Ingolstadt und dort am 1. Februar
1974 gestorben, wird heute mit ihren Dramen und ihrer Prosa zwischen
Brecht und Horväth gestellt. Sie studierte 1919 bei Arthur
Kutscher in München Theaterwissenschaft, kam dort in fördernden
Kontakt mit Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht und gehörte
schließlich zur literarischen Gruppe, die Brecht um 1925
in Berlin um sich versammelte. Im 3. Reich erhielt sie Schreibverbot.
Marieluise Fleißer lebte seit 1930 wieder in Ingolstadt.