PORTO-
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Jirgl, R: Atlantische Mauer

Roman

(Tb)

von Jirgl, Reinhard   (Autor)

¯Jirgls verrückte Schreibweise provoziert immer noch ähnliche Reaktionen. Und das ist gut so. Seine Diagnose mag problematisch sein, aber weil er so schwarz sieht, sehe ich - wenn auch nur für ihn - rosig. Solche Schriftsteller braucht das Land.® Martin Lüdke in der 'Zeit'

Buch (Kartoniert)

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Produktbeschreibung

Die atlantische Mauer liegt zwischen der Neuen und der Alten Welt. Was treibt die Menschen auch heute dazu, ihr Leben hier aufzugeben und in den USA ein neues zu suchen? Selbst dann, wenn diese Menschen ihre Lebensmitte bereits überschritten haben. "Ich bin noch einige Schritte vom Altwerden entfernt - aber nahe genug schon dran, um zu wissen: Ich hab keine Stunde mehr zu verschenken. Nicht eine. So will ich nicht länger gelebt werden." In diese Worte fasst eine Frau aus Berlin den Entschluss, jegliche Bindung ans Altvertraute zu kappen und das Leben in New York nach ihren ureigensten Wünschen zu beginnen. Um so ernüchternder dann, den ersten Anlauf ins Gelobte Land verpatzt zu haben und wieder zurück zu müssen nach Berlin. Die Veränderungen im Lebens- und Stadtraum Berlin haben einen Menschen-Typus geformt, der ebenfalls den Wandel bezeichnet: arbeitslos, heimatlos, ruhelos. Sehr verschiedene Menschen, die jedoch in einem übereinstimmen: für die Verwirklichung ihrer Liebe und ihres Glücksanspruchs vieles daranzusetzen, an Intrigen und Verrat nicht zu verzweifeln, selbst wenn sie dafür um die halbe Welt gestoßen werden und manchmal auch abprallen an der atlantischen Mauer. 

Leseprobe

"Dieser Raum muss sowas wie ein Sammelbecken für alle Rausgefischten vom gesamten Kennedy Airport gewesen sein. Danach verteilte Man die 1zelfälle auf verschiedene Bürokabinen in den Tiefen der Airport-Gebäude...Auf dieser Seite der Schranke aber, unter all den übrigen, hilflos umherstehenden Reisenden, die beobachten müssen, wie ihre Pässe hin&her gereicht - abgelegt - wieder aufgenommen und wieder rumgereicht werden, alles mit derselben Lakonie&Pikiertheit, liegt so etwas wie eine eiserne Luft, eine Luft wie sie glühenden Blechen entströmt, beizend & rot - das Atmen, als müßte man Eisenspäne schlucken.....
-Es dauerte bei mir weit über einehalbe Stunde, bevor überhaupt Jemand das Wort direkt an mich richtete. Ein dicker schwarzer Officer wars schließlich, der mich herrisch mit kurzknappem Fingerschnips an den Tresen heranwinkte. Sofort beginnt er das Verhör mit einem Schwall aus genuscheltem Amerikanisch, wobei er abwechselnd mit meinem Pass & den gefundenen Bewerbungsformularen wie mit Fliegenklatschen wedelt -; ich versuch, ihm zu folgen, zu antworten, der tut so als hört er meine Antworten nicht, verstünde überdies nichts von dem was ich sage. Er legt grinsend seine Hand muschelförmig ans Ohr -. Dann, 1 ums andere Mal, als hätte er grad erst=!jetzt mein Barbaren-Englisch verstehen können, hätte dank seiner überragenden Intelligenz aus meinem Kauderwelsch&Geredekleinholz die brauchbaren Scheite rausgezogen, wandte er sich breit grinsend an seinen Nachbarn & wiederkäute meine Antworten, als hätt ich nen dreckigen Witz gemacht. Die beiden amüsierten sich bestens. Das trieb=Der eine hübsche Weile so - ich versuchte sehr lange mitzuhalten -, dann platzte mir der Kragen : Ich knall die Faust auf den Tresen, brüll ihn an, dass ich einen Dolmetscher verlange. -Juu spiekinglisch wärri well, antwortet der Kerl breit grinsend, -batt juufgattu änser !mie. Ich zurück: Entweder Dolmetscher od ich sage !kein Wort mehr. Darauf schraubt der dicke schwarze Schrank von seinem Stuhl sich in die Höhe, holt tief Luft als wolle er den ganzen Saal einatmen & brüllt - beinahe akzent!frei - durch den weiten Raum:
-S-PRICKT HIER YEMAND !DOITSCH.....
-Keine Antwort. Nach ner Weile ist 1 Flughafenangestellter zur Stelle, 1 kleiner zurückhaltender, grauhaariger Mann, der (wie er sich gleich vorstellte) nach Dem-Krieg aus Jugoslawien geflohen war, dann in Deutschland gelebt & mit einer Österreicherin verheiratet sei. Der (sagte sie) -trug seine Lebens=Geschichte mit solcher Selbstverständlichkeit offen u jedem zur Ansicht wie andere ihre Identitätskarten am Revers. Der Mann versucht zwischen mir u: dem Officer zu vermitteln. Sie redeten lange & schnell - der Dolmetscher gestikulierte, mich schienen sie allmählich zu vergessen. Das war wie auf ner Theaterprobe zum Steinernen Gast: Alles, was der Dolmetscher redete & tat - der seit langem schon weder den Officer mir, noch mich dem Officer übersetzte, schien den dicken Schwarzen stets nur zu 1-&-derselben Folge von Bewegungen - abwechselnd das Fliegenklatschen mit meinem Paß & dem Formular - & zu immer demselben Satzstereotyp zu bringen: -Schies kamm ässe tuerist batt schiesgadde saint kaantreckt tu öörn hier in NJUU JOOK JUNAI TITT STEHTS OFF ÄMMERIKKA - (wobei er New York und United States of America derart prononcierte, als wäre die Tatsache, daß New York in den Vereinigten Staaten liege, die merkwürdigste & daher die betonenswerteste Feststellung seiner Replik). Das schweißtreibende Tun des armen Dolmetschers, sagte sie, -der sich offensichtlich als mein Anwalt verstand, war gradeso als mühte sich ein Mechaniker eifrig aber vergebens um einen kaputten Automaten. Mir !langtes: Ich beginne lauter und lauter zu reden - !schreie, so daß jeder gefangene Fisch in dem großen Sammelbecken hören kann, daß ich 1 gültiges Visum, sogar die Aufenthaltsgenehmigung bekommen habe - (der Dolmetscher übersetzt jetzt beinahe bittend & wedelt, mich zu beschwichtigen, aufgeregt in meiner Richtung mit den Händen als wolle er Mücken verscheuchen, was den dicken Schwarzen offenbar königlich amüsiert) - ich schreie weiter, dass, wie die Rechtslage augenscheinlich in You Ass sei, nämlich die Absicht = mein ausgefülltes Formular, schon als ein Vergehen angesehen wird (und schreie noch lauter) das hatte ich in Deutschland nicht erfahren, das hatte niemand mir erklärt. Der Schwarze grient immer breiter, steht schließlich auf von seinem Stuhl hinterm Tresen & winkt mir & dem Dolmetscher wie 2 Hunden, ihm zu folgen, nach hinten, in 1 der vielen kleinen Büros in den Tiefen der Flughafengebäude....." 

Mehr vom Verlag:

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Mehr vom Autor:

Jirgl, Reinhard

Produktdetails

Medium: Buch
Format: Kartoniert
Seiten: 449
Sprache: Deutsch
Erschienen: August 2002
Maße: 191 x 121 mm
Gewicht: 379 g
ISBN-10: 342312993X
ISBN-13: 9783423129930

Bestell-Nr.: 434502 
Libri-Verkaufsrang (LVR):
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KNO: 10257345
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Gattung: Roman
KNO-SAMMLUNG: dtv Taschenbücher Bd.12993
KNOABBVERMERK: 2002. 464 S. 191 mm
Einband: Kartoniert
Sprache: Deutsch

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