PORTO-
FREI

Unterm Rad

(Tb) (Erzählung)

von Hesse, Hermann   (Autor)

Ein Schulmeister hat lieber zehn notorische Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. Wer aber mehr und Schwereres vom anderen leidet, der Lehrer vom Knaben oder umgekehrt, wer von beiden mehr Tyrann, mehr Quälgeist ist, und wer von beiden es ist, der dem anderen Teile seiner Seele und seines Lebens verdirbt und schändet, das kann man nicht untersuchen, ohne bitter zu werden

Buch (Kartoniert)

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Produktbeschreibung

Unterm Rad beschreibt das Schicksal eines begabten Kindes, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht und es "unters Rad" drängt. 

Zusammenfassung


Diese 1903 in Calw entstandene Erzählung Hermann Hesses zeigt
das Schicksal eines begabten Knaben, dem der Ehrgeiz seines Vaters
und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen,
die ihm nicht entspricht, die ihn »unters Rad« drängt.
»Schreibend der Jugend die Würde zu geben, die ihr im
Leben verweigert wurde«, notiert Peter Handke nach der Lektüre
dieses Buches in sein Tagebuch, während Arthur Floesser 1906
die Erstausgabe mit den Worten begrüßte: »Der
Roman enthält ungefähr eine Anleitung für Eltern,
Vormünder und Lehrer, wie man einen begabten jungen Menschen
am zweckmäßigsten zugrunde richtet.«
Deshalb
beantwortete bereits damals Theodor Heuss die Frage: »Ein
Tendenzwerk? Ja, dort wo es mit warmen Worten das Recht der Jugend
auf eine Jugend verlangt!«


1905 schrieb Stefan Zweig: »Ich liebe diese tiefe und mit
so wunderbarer Kunst erzählte Geschichte um ihrer Menschlichkeit
willen. Es stehen Dinge darin, die ich selbst in meiner Knabenzeit
empfunden hatte und dann wieder verloren. Und dann die zwei Liebesszenen:
die stehen nun wie eigene Geschehnisse in meinem Leben. Kann ein
Dichter mehr tun?« Neben Robert Musils »Die Verwirrungen
des Zöglings Törless« war »Unterm Rad«
die nachhaltigste Anklage gegen das Erziehungsritual jener Jahre.


»Ein paar Wochen ist es her, da entdeckte ich in einem
Abteil der Berliner S-Bahn zwei junge Leute. Ihre Gesichter waren
über dasselbe Buch gehängt, das einer der beiden in
den Händen hielt. Sie lasen, sie waren verzaubert, von ihrer
Haltung ging eine fast greifbare Aura der Verwandlung aus, sie
blickten nicht auf, sie waren vollkommen unempfindlich für
die Umwelt. Ich habe weder vorher noch danach wieder Menschen
so lesen sehen. Sie lasen Hermann Hesses "Unterm Rad".
Nur die Wirklichkeit hat recht.«

Rolf Schneider

 

Leseprobe


Herr Joseph Giebenrath, Zwischenhändler und Agent, zeichnete
sich durch keinerlei Vorzüge oder Eigenheiten vor seinen
Mitbürgern aus. Er besaß gleich ihnen eine breite,
gesunde Figur, eine leidliche kommerzielle Begabung, verbunden
mit einer aufrichtigen, herzlichen Verehrung des Geldes, ferner
ein kleines Wohnhaus mit Gärtchen, ein Familiengrab auf dem
Friedhof, eine etwas aufgeklärte und fadenscheinig gewordene
Kirchlichkeit, angemessenen Respekt vor Gott und der Obrigkeit
und blinde Unterwürfigkeit gegen die ehernen Gebote der bürgerlichen
Wohlanständigkeit. Er trank manchen Schoppen, war aber niemals
betrunken. Er unternahm nebenher manche nicht einwandfreie Geschäfte,
aber er führte sie nie über die Grenzen des formell
Erlaubten hinaus. Er schimpfte ärmere Leute Hungerleider,
reichere Leute Protzen. Er war Mitglied des Bürgervereins
und beteiligte sich jeden Freitag am Kegelschieben im »Adler«,
ferner an jedem Backtag sowie an den Voressen und Metzelsuppen.
Er rauchte zur Arbeit billige Zigarren, nach Tisch und sonntags
eine feinere Sorte.


Sein inneres Leben war das des Philisters. Was er etwa an Gemüt
besaß, war längst staubig geworden und bestand aus
wenig mehr als einem traditionellen, barschen Familiensinn, einem
Stolz auf seinen eigenen Sohn und einer gelegentlichen Schenklaune
gegen Arme. Seine geistigen Fähigkeiten gingen nicht über
eine angebotene, streng abgegrenzte Schlauheit und Rechenkunst
hinaus. Seine Lektüre beschränkte sich auf die Zeitung,
und um seinen Bedarf an Kunstgenüssen zu decken, war die
jährliche Liebhaberaufführung des Bürgervereins
und zwischenhinein der Besuch eines Zirkus hinreichend.

 

Autoreninfo

Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen geboren, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. 

Mehr vom Verlag:

Suhrkamp Verlag AG

Mehr vom Autor:

Hesse, Hermann

Produktdetails

Medium: Buch
Format: Kartoniert
Seiten: 176
Sprache: Deutsch
Erschienen: o.J.
Auflage: N.-A.
Maße: 179 x 112 mm
Gewicht: 110 g
ISBN-10: 3518365525
ISBN-13: 9783518365526

Bestell-Nr.: 112208 
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KNO: 00559136
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Gattung: Erzählung
KNO-SAMMLUNG: suhrkamp taschenbuch 52
KNOABBVERMERK: 56. Aufl. 1972. 165 S. 177 mm
Einband: Kartoniert
Auflage: N.-A.
Sprache: Deutsch
Beilage(n): ,

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